Besondere Exponate & Raritäten im Zündapp Museum
Erleben Sie im Zündapp Museum Sigmaringen nicht nur die Geschichte einer legendären Motorradmarke – entdecken Sie auch unsere einzigartigen Raritäten. Von Prototypen bis zu Sondermodellen – jedes Exponat erzählt seine eigene, faszinierende Geschichte.
Die „Lewis“
Die „Lewis“ ist ein besonderes Modell aus den frühen Zündapp-Jahren und bildet die Wurzeln der Marke ab. Fritz Neumeyer entwickelte seine Motorrad-Idee 1922 weiter und ließ sich auf einer Studienreise nach England von der „Levis“ inspirieren – einer Einzylinder-Zweitaktmaschine. Die „Levis“ diente als Vorbild für die „Z 22“, das erste Zündapp-Motorrad, das den Titel „Motorrad für Jedermann“ trug.
Sie verfügt über einen Rahmen aus leicht formbarem Kupferrohr mit Schraubverbindungen, und das Hinterrad wird per Riemen angetrieben – eine Technik, die später bei der Z 22 weiterentwickelt wurde. Die Z 22 besaß bereits einen stabileren Stahlrohrrahmen und einen 211 ccm Einzylinder-Zweitaktmotor. Die „Lewis“ gibt einen faszinierenden Einblick in die frühen Konstruktionen und die Innovationskraft von Zündapp.
Grüner Elefant
Der „Grüne Elefant“ ist ein lindgrünes Seitenwagengespann der KS 601, dem Nachfolger des Vorkriegsmodells KS 600. Entworfen von Ernst Schmidt, verfügt die Maschine über einen Doppelschleifenrohrrahmen, Teleskopgabel, Kettengetriebe und einen angeschweißten Seitenwagenanschluss.
1951 verließ die erste marktreife KS 601 das Werk. Aufgrund ihrer Farbe und der bulligen Durchzugskraft erhielt sie den Spitznamen „Grüner Elefant“. Zwischen 1951 und 1958 wurden 5.680 Exemplare gefertigt, teils als Behördenmaschinen, teils als Sportmodelle. Die rote Solomaschine in der Ausstellung wurde von Adolf Mattes im Alter von 70 Jahren für sich selbst aufgebaut. Das legendäre „Elefantentreffen“, das erste Mal 1956 auf der Solitude-Rennstrecke in Stuttgart, findet bis heute einmal jährlich im Bayerischen Wald statt.
Janus
Der „Janus“ aus der Sammlung von Adolf Mattes ist ein außergewöhnliches Automobil, das vorne und hinten nahezu identisch aussieht. Benannt nach dem römischen Gott des Anfangs und Endes, war der Janus das einzige Auto, das Zündapp jemals in Serie baute.
Die Idee, Autos zu produzieren, hatte Fritz Neumeyer bereits 1924 und erneut 1931. Erst 1957 erschien tatsächlich der Zündapp Janus 250 mit 14 PS, vier Sitzen und einer Rücken-an-Rücken-Sitzanordnung. Das Fahrzeug konnte per Sitzbank zu einer Liegefläche umgebaut werden und diente so auch als Campingwagen. Zudem war der Janus bei Motorsportveranstaltungen erfolgreich – u. a. gewann das Team 1958 bei der Rallye Lüttich-Brescia-Lüttich einen Mannschaftspreis. Aufgrund hoher Produktionskosten wurde der Janus nur wenige Monate gebaut, bevor das Nürnberger Werk geschlossen und an Bosch verkauft wurde.
Bella – das Sondermodell
Die Bella-Sondermodelle im Museum erzählen persönliche Geschichten. Das Bella-Gespann war das „Lebensgefährt“ von Adolf und Erika Mattes, das sie auf zahlreichen Touren, u. a. in die Schweiz, begleitete. Besonders hervorzuheben ist die gelbe Bella 250 GTS, ein modernes Rennmodell aus 2003/2004 mit Yamaha-Motor von 1973 und einem Bella-Fahrgestell von 1961. „GTS“ steht für „geht tierisch schnell“ – die Maschine erreicht bis zu 160 km/h.
Weitere Modelle:
- Der graue R 50 Roller, gebaut 1968 in München.
- Zwei Bellas mit „Campy“ Campinganhänger, entwickelt nach DDR-Vorbildern.
- Ein umgebauter R 50 Snow-Mobil, der im Allgäu eingesetzt wurde, um Felder im Winter zu befahren.
Diese Fahrzeuge zeigen die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum der Zündapp-Entwicklungen.
Bundeswehrmodell – Enduro
Zündapp war im Trial-Sport und Moto Cross erfolgreich, mit Six-Days- und Welttrophy-Gewinnen. Im Münchner Werk entstanden erstmals reine Wettbewerbsmaschinen mit Zentralfederbein, Sechsganggetriebe und aufwendiger Auspuffanlage.
Die Ausstellung zeigt:
- Eine Enduro-Mokick-Variante auf Basis der CS 50 („Hai“) mit Haizähnen auf Tank und Batteriekasten.
- Zwei Sondermodelle: eine Versuchsmaschine für die Bundeswehr in Beige und ein Umbau mit Lachgaseinspritzung in Orange.
Diese Exponate verdeutlichen Zündapps Innovationskraft im Geländesport und den Einsatz im militärischen Bereich.
KS 80 Super Sport
Die KS 80 Super Sport im Museum ist ein echtes Unikat: Sie war noch nie zugelassen, der Motor nie in Betrieb und kein Benzin im Tank. Zündapp lieferte damals eine KS 80 Sport mit zusätzlichem Verkleidungssatz, der nachträglich angebaut und zur Einzelabnahme beim TÜV vorgeführt werden musste. Da sie nicht als Serienfahrzeug galt, erhielt sie eine eigene Typnummer.
Der Preis in der Preisliste 2/84 lag bei 5.995 DM, Lieferzeit auf Anfrage. Über die genaue Anzahl der gelieferten Fahrzeuge gibt es keine klaren Angaben; vermutet werden nur 3–5 Exemplare. Dieses Modell ist ein herausragendes Beispiel für seltene, sportliche Zündapp-Modelle.
Warum diese Raritäten besonders sind
Jedes Exponat ist mehr als nur ein Motorrad oder Fahrzeug. Sie stehen für technische Innovation, Designvielfalt und die Geschichte einer Marke, die Motorradfans weltweit begeistert. Entdecken Sie bei Ihrem Besuch die Geschichten hinter den Raritäten und erleben Sie die Faszination Zündapp hautnah.





